Freitag, 6. Januar 2012

Solar-Branche verkauft so viele Anlagen wie noch nie

Solarzellen: Ungebremster AusbauZur Großansicht
AFP
Solarzellen: Ungebremster Ausbau
Allen Förderkürzungen zum Trotz: Der deutsche Solar-Boom geht weiter. 2011 gingen so viele Anlagen ans Netz wie noch nie. Dabei wollte Umweltminister Norbert Röttgen den Ausbau doch eigentlich stark beschneiden.
Berlin - Wenn Bundesumweltminister Norbert Röttgen über sein Konzept zur Begrenzung des Solar-Booms spricht, übernimmt er gern einen Begriff des Branchenverbands BSW-Solar. Der CDU-Mann spricht dann von einem "atmenden Deckel".


Das klingt beruhigend, so als gäbe es für die Solar-Förderung eine Grenze. So als ließe sich die Kostenexplosion damit begrenzen. Das Konzept ist schnell erklärt: Je mehr Anlagen ans Netz gehen, desto stärker sinkt die Förderung. Bislang hat das so gar nicht funktioniert.

Neuesten Zahlen der Bundesnetzagentur zufolge gingen 2011 Anlagen mit einer Leistung von 7500 Megawatt ans Netz. Mehr noch als im bisherigen Rekordjahr 2010. Atmender Deckel hin oder her.
Röttgen muss also wohl nachbessern. In der übernächsten Woche wolle er mit der Branche über weitere Schritte beraten, lässt er mitteilen. Es wäre das vierte Mal seit Juli 2010, dass die Regierung sich mit Förderkürzungen für die Solarbranche befasst.

Acht Milliarden Euro Kosten in 2011
 
Man könnte sich nun fragen: Was ist denn eigentlich das Problem? Ist es nicht zu begrüßen, dass der Anteil der erneuerbaren Energien im deutschen Strommix schneller wächst als geplant? Ist es. Doch der Anteil der Solaranlagen wächst gerade zu schnell. Denn ausgerechnet diese Art der Stromerzeugung ist noch nicht konkurrenzfähig gegenüber schmutzigem Kohlestrom - und auch nicht gegenüber der Atomenergie, von der sich Deutschland bis 2022 peu à peu verabschieden will.

Mit durchschnittlich 27 Cent pro Kilowattstunde bekommt jeder Betreiber einer Solaranlage seinen Strom derzeit vergütet. Die anfallenden Kosten - allein 2011 waren es rund acht Milliarden Euro - zahlt letztlich der Verbraucher. Denn auf dessen Stromrechnung werden die Kosten umgelegt: über die sogenannte EEG-Umlage. Aktuell liegt diese bei 3,59 Cent für jede Kilowattstunde verbrauchten Stroms. Rund die Hälfte der Kosten für die EEG-Umlage entstehen allein durch die Solar-Förderung. Dabei produzieren Sonnenstrom-Anlagen nur drei Prozent des deutschen Stroms.

Um die Kosten zu begrenzen, wollte die Bundesregierung den Ausbau der Solaranlagen eigentlich auf rund 3000 Megawatt pro Jahr begrenzen. 2011 gingen allein im Dezember Anlagen mit dieser Kapazität an den Start. Denn zum 1. Januar sinkt die Förderung um 15 Prozent - und viele Verbraucher haben sich vorher noch schnell eine Anlage aufs Dach schrauben lassen, um den höheren Fördersatz abzustauben.
Wenn die Förderung eh sinkt - ebbt dann der Boom ab? Eher nicht. Denn die Preise für Solar-Anlagen sind zuletzt deutlich gesunken. Unterm Strich winkt Verbrauchern auch 2012 noch eine satte Rendite, wenn sie sich eine Solaranlage kaufen.

Radikale Kürzung oder Deckel?
 
"Die bisherige Strategie der Regierung, die Kosten zu begrenzen, ist nicht aufgegangen", konstatiert denn auch Holger Krawinkel, Energieexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Er schlägt vor, die Förderung aller Solaranlagen pauschal auf 15 Cent pro Kilowattstunde abzusenken. "Das wäre eine wirksame Maßnahme, im Gegensatz zum 'atmenden Deckel'."
Vermutlich werden aber bald auch wieder Forderungen laut, die Förderung fest zu deckeln. Bei diesem Modell würden zum Beispiel nur Anlagen mit einer Leistung von bis zu 3000 Megawatt pro Jahr gefördert. Ist diese Grenze erreicht, wird die Förderung bis Jahresende eingestellt. Röttgen ist gegen diese Maßnahme. Die Branche auch. Man könne an Spanien sehen, dass sie nicht funktioniere, heißt es. Tatsächlich wurde in diesem Land ein Deckel eingeführt - was den Markt komplett zerstörte.
Bis die Regierung ein Mittel findet, den Solar-Ausbau auf ein vernünftiges Maß zu begrenzen, werden die Kosten für die Verbraucher weiter steigen. Die Betreiber der deutschen Übertragungsnetze prognostizieren, dass die EEG-Umlage bis 2013 auf 3,66 bis 4,74 Cent steigt - hauptsächlich wegen des Solar-Booms.

EEG-Umlage für 2012 zu hoch berechnet
 
Immerhin: Der Anstieg der Umlage dürfte relativ gleichmäßig erfolgen. Denn neuesten Zahlen zufolge wurde die EEG-Umlage für 2012 ziemlich großzügig berechnet. Sie ist vermutlich um rund 0,2 Cent zu hoch. Die Netzbetreiber haben sich bei ihrer Kostenprognose um fast 800 Millionen Euro verschätzt. Jeder Durchschnittshaushalt mit 3500 Kilowattstunden Verbrauch zahlt nach dieser Rechnung im kommenden Jahr rund sieben Euro mehr für die EEG-Umlage als er eigentlich müsste.
Das hat folgenden Grund: Jedes Jahr wird am 15. Oktober bestimmt, wie hoch die EEG-Umlage für das kommende Jahr ausfällt. Grundlage für diese Berechnung ist das sogenannte EEG-Konto, in dem die Übertragungsnetzbetreiber alle Ausgaben und Einnahmen notieren, die im Zusammenhang mit den erneuerbaren Energien entstehen. Die Prognose für das kommende Jahr basiert allerdings auf dem Kontostand von Ende September - und der ist oft ziemlich schlecht.
Denn gerade im Sommer ist der Stromverbrauch besonders niedrig - was die Einnahmen schmälert. Gleichzeitig sind die Kosten für erneuerbare Energien besonders hoch, da die besonders hoch vergüteten Solaranlagen viel Strom produzieren. In den Herbst- und Wintermonaten gleicht sich dieses Konto oft noch aus. Denn im Winter steigt der Stromverbrauch - und mit ihm steigen die Einnahmen aus der EEG-Umlage. Gleichzeitig sind statt Solaranlagen eher Windräder aktiv - und die werden weit geringer vergütet.


Ende 2011 sah das EEG-Konto daher weit besser aus als noch im September: Verbuchte es im Herbst noch ein Minus von rund 711 Millionen Euro, stand dort zum Jahresende ein Plus von rund 80 Millionen Euro. Die EEG-Umlage hätte dadurch nach Berechnungen des Bundesverbands für erneuerbare Energien (BEE) um rund 0,2 Cent niedriger ausfallen können als sie nun ist. An sich müsste das bedeuten: 2012 wird in der EEG-Umlage ein Puffer aufgebaut, mit dem künftige Kostensteigerungen ausgeglichen werden können. Und wenn am Jahresende von diesem Puffer etwas übrig bliebe, würde die Umlage 2013 wieder gesenkt.
Dass es dazu kommt, ist aber eher unwahrscheinlich. Denn ein erheblicher Teil dieses Puffers wird nun schon allein durch den Solar-Boom wieder aufgefressen.

Donnerstag, 10. November 2011

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Donnerstag, 16. Juni 2011

Ministerium: Kürzung der Solarförderung fällt aus




Berlin (dpa) - Die Installation neuer Solaranlagen wird nun doch weiterhin so gefördert wie bisher. Angesichts eines Einbruchs beim Bau neuer Anlagen fällt die geplante Förderkürzung aus.


«Es wird im Juli keine Absenkung der Vergütung geben», sagte die parlamentarische Staatssekretärin im Umweltministerium, Katherina Reiche (CDU), der «Financial Times Deutschland».



Grund dafür sei, dass von März bis Mai außergewöhnlich wenige Solaranlagen neu gebaut und gemeldet wurden.

«Es sind nur 700 Megawatt installiert worden», sagte Reiche. Hochgerechnet auf das Jahr wären das 2800 Megawatt - und damit weniger als 3500 Megawatt Ausbau pro Jahr. Erst ab dieser Zielmarke sollte es Kürzungen geben.

Die Gelder für Sonnenstrom sollten je nach Zubaumenge bis Juli um maximal 15 Prozent und bis Januar 2012 um maximal 24 Prozent gekürzt werden. Angesichts eines massiven Zuwachses im vergangenen Jahr sollten so die Kosten für die Verbraucher eingedämmt werden, die die Förderung über den Strompreis mitbezahlen. Kritiker sehen eine Schieflage, weil ein Hartz-IV-Empfänger somit die Erträge des Hausbesitzers mitzahlt, der sich eine Photovoltaikanlage auf dem Dach leisten kann.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur zieht der Zubau an neuen Photovoltaikanlagen seit Juni hingegen wieder an. Kritiker des Kompromisses, den Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) mit der Solarwirtschaft ausgehandelt hat, hatten von Anfang an vor einem «Sommerschlussverkauf» im Juni gewarnt.

Der Grund: Wenn in den Monaten März bis Mai kaum Anlagen ans Netz gehen, fällt auch die Kürzung komplett aus. Angesichts sinkender Preise für Solaranlagen lohne es sich dann umso mehr, ab Juni in die private oder gewerbliche Solarstromproduktion einzusteigen.

Derzeit gibt es 28,74 Cent Einspeisevergütung pro Kilowattstunde bei kleinen Dachanlagen. Diese wären bei einer massiven Zunahme neuer Solaranlagen auf bis zu 24,43 Cent gesenkt worden.

Wäre man hochgerechnet aufs Jahr auf mehr als 3500 Megawatt (MW) neu installierte Leistung gekommen, wären die Förderung ab Juli um 3 Prozent pro Kilowattstunde gekürzt worden. Erst bei mehr als 7500 MW würde die maximale Kürzung um 15 Prozent und damit auf 24,43 Cent greifen. Union und FDP diskutierten zuletzt ob man angesichts der fallen Preise für Solaranlagen die Förderung weiter kürzen muss - Röttgen will, dass die erneuerbaren Energien schneller marktfähig werden und somit weniger Subventionen brauchen.

Quelle: NNN.de